Sie nannten sie Hard-Cora
Im Portrait: Cora, Produktionsmechanikerin
In der Flachstrickerei kümmerte sich Produktionsmechanikerin Cora Schubert 12 Jahre lang pflichtbewusst um die Maschinen. Passt irgendwie, immerhin war sie früher selbst eine. Anders ist jedenfalls kaum zu erklären, wie man mit 40 Jahren zum ersten Mal die Laufschuhe schnürt und wenig später in New York beim größten Marathon der Welt als Elite-Läuferin an den Start geht.
Der Fels in der Flachstrickerei
Lange Zeit sah es nicht danach aus, als würde Cora einmal Startnummern und Medaillen sammeln. Zwar war sie schon als Kind sportbegeistert und träumte davon, Sportlehrerin zu werden, doch das Leben hatte zunächst andere Pläne. Mit 19 heiratete sie, bekam zwei Kinder und stellte ihre sportlichen Ambitionen erstmal hinten an.
Beruflich zog es Cora schon früh in die Textilbranche. Beim Arbeitgeber ihrer Mutter sammelte sie erste Erfahrungen und arbeitete 35 Jahre in einer Weberei, bevor sie im Mai 2014 zu Ofa Bamberg kam.
Seitdem sorgte sie in der Flachstrickerei dafür, dass die Maschinen zuverlässig laufen und unsere Kompressionsstrümpfe in gewohnt hoher Qualität gefertigt werden. Als Produktionsmechanikerin richtete sie Strickmaschinen ein, hielt sie instand und überwachte deren Leistung. Zusätzlich kümmerte sie sich um Materialbestellungen in ihrer Abteilung, von Garnrollen bis zu Papierhandtüchern. Wie sie selbst sagt: „Wenn Cora da ist, ist alles da.“
Von 0 auf 42,195
Ihr sportliches Aha-Erlebnis kam Anfang der 2000er Jahre, als sie mit 40 eine Freundin zum Bamberger Weltkulturerbelauf begleitete. Tief beeindruckt, dass diese elf Kilometer am Stück lief, beschloss Cora eine Woche später, es selbst zu versuchen. „Bei meinem ersten Versuch habe ich direkt fünf Kilometer geschafft!“, erinnert sie sich heute. Schnell wurde daraus mehr und sie nahm an ihrem ersten Wettkampf teil. „Da war ich so ziemlich die Letzte“, verrät sie lachend. Die „lahme Schnecke“, von der sie kurz vor dem Ziel noch überholt wurde, gab ihr allerdings den nötigen Motivationsschub für ihre späteren Bestzeiten.
Als Mitglied des Sportvereins TV 1848 Coburg bestritt sie erfolgreich viele der größten Halbmarathons und Marathons in ganz Deutschland.
Der amerikanische Traum
Als ihr die Läufe in Deutschland irgendwann nicht mehr reichten, bewarb sie sich als Elite-Läuferin für den New York Marathon. Voraussetzung dafür war eine Marathonzeit von unter 3:30 Stunden. Für Cora kein Hindernis. In Deutschland hatte sie die Marke bereits mehrfach bei offiziellen Marathons unterboten.
Rund ein Jahr später klingelt der Wecker um drei Uhr morgens. Ein leichtes Frühstück, dann macht sie sich gemeinsam mit 38.098 weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf den Weg zum Start auf die 13 Fahrspuren breite Verrazzano-Narrows Bridge.
Ganz vorne: der ein oder andere Olympiasieger, Weltmeister und Weltrekordler. Rund 50 Meter hinter ihnen: Cora. Als hätte sie in ihrem Leben nichts anderes gemacht. Um 8 Uhr fällt der Startschuss. Kurz nach halb zwölf erreicht Cora das Ziel. Nach ihr kommen noch 35.000 Menschen. Damit ist sie schneller als 95 Prozent des gesamten weiblichen Teilnehmerfeldes. „Auf den Lauf in New York bin ich besonders stolz, weil ich niemanden kenne, der sich auch Elite-Läufer in New York nennen kann."
"Jedem, der sich gerne bewegt oder gerne mehr Sport machen möchte, kann ich nur ans Herz legen, es einfach auszuprobieren."
Langweilen ist keine Option
Als Cora wegen einer Verletzung eine Pause vom Lauftraining einlegen musste, empfahl ihr der Arzt das Radfahren. Wie sollte es anders kommen? Cora hatte Spaß daran und landet bei ihrem ersten Wettkampf prompt auf dem Treppchen. Die Trinkflasche mit der Aufschrift „Hard-Cora“ zeigt dabei einmal mehr: Der Name ist Programm.
Schon bald war auch der Triathlon Teil ihres Wettkampfkalenders. Später folgte sogar ein Halb-Ironman. Selbst mit 59 absolvierte Cora noch den 43 Kilometer langen Engadiner Skimarathon. Geblieben sind unzählige Erinnerungen und ein ganzer Schrank voller Pokale und Medaillen.
Ein „zu alt“ gibt es laut Cora übrigens nicht: „Jedem, der sich gerne bewegt oder gerne mehr Sport machen möchte, kann ich nur ans Herz legen, es einfach auszuprobieren. Für mich waren das die schönsten Jahre meines Lebens.“
Auch wenn Hard-Cora dem Leistungssport inzwischen den Rücken gekehrt hat, ist sie überzeugt: Wer fit bleiben will, muss in Bewegung bleiben. Deshalb geht sie noch immer gerne schwimmen, fährt Fahrrad und schnürt hin und wieder die Laufschuhe.
An Ruhe ist bei Cora also selbst im Ruhestand noch lange nicht zu denken. Schafe, Bienen und ein Jagdhund halten sie zu Hause auf Trab. Außerdem spielt sie Gitarre und singt in der Klampfengruppe Bad Staffelstein, mit der sie regelmäßig auftritt. Ob Altstadtfest, Bierbrauerfest oder Weihnachtsmarkt. Wo gute Laune herrscht und saures Radler getrunken wird, ist Cora meist nicht weit.
Mit ihrem Engagement und ihrer Herzlichkeit hat Cora Ofa Bamberg über viele Jahre hinweg mitgeprägt. Jetzt beginnt für sie ein neuer Lebensabschnitt im wohlverdienten Ruhestand. Dafür wünschen wir ihr Gesundheit, Zufriedenheit und viele glückliche Momente.